****** Fast 4 Jahre war es still um Joe Cocker. Während dieser Zeit gab es keine Plattenveröffentlichung, er schien wie verschwunden. Wie aus dem Nichts tauchte er 1982 mit „Sheffield Steel“ wieder auf. Das in den Compass Point Studios in Nassau, Bahamas, von Chris Blackwell und Alex Sadkin produzierte Album zeigt den Altstar von einer bisher völlig unbekannten Seite: Joe strapaziert seine Stimmbänder zu teilweise schroffen Reggaeklängen. Für den nötigen Rhythmus sorgen die beiden jamaikanischen Asse Robbie Shakespeare (Baß) und Sly Dunbar (Schlagzeug). Zusammen mit den beiden Gitarristen Barry Reynolds und Mikey Chung, Wally Badarou (Keyboards) und Sticky Thompson (Percussion) treiben sie Joe zur Höchstform. Joe strapaziert seine Stimme teilweise bis zum Anschlag, er ist gut wie eh und je, auch wenn man sich zeitweise nicht den Eindruck verwehren kann, daß seine Stimme in den letzten Jahren etwas unter seinem nicht gerade gesunden Lebenswandel gelitten hat. Trotzdem, was er auf „Sheffield Steel“ zu bieten hat, klingt wie eine Demonstration für all diejenigen, die wissen wollen, wie ein erstklassiger Rocksänger singen muß. Das Album wurde seinerzeit von den internationalen Musikkritikern mit Wohlwollen aufgenommen und mit guten Kritiken bedacht. Ein Tatsache, die nicht ganz selbstverständlich ist, war Joe in der Vergangenheit nicht immer ein Liebling der Kritiker, weil für diese statt der Musik meist sein angegriffener körperlicher Zustand im Vordergrund stand. 1982 jedenfalls hatte er seine Alkohol- und Drogenprobleme überwunden und setzte zu einem großen Comeback an. Mit dem Album „Sheffield Steel“ und der ausgekoppelten Single „Talking Back To The Night“ konnte er internationale Achtungserfolge erzielen. Im gleichen Jahr landete er zusammen im Duett mit Jennifer Warnes den Superhit „Up Where We Belong“ und erfreut seitdem in schöner Regelmäßigkeit die Musikwelt mit tollen Alben. „Sheffield Steel“ enthält mit „Seven Days“ (von Bob Dylan), „Ruby Lee“ (von Bill Withers) und „Talking Back To The Night“ (von Steve Windwood) drei herausragende Stücke. Vor allem letzteres Stück beweist sehr eindrucksvoll, daß Joe Cocker mit einem Schlag in die 80er Jahre angekommen ist. Das ungemein mitreißende Stück erinnert ein wenig an das, was ein Robert Palmer zu jener Zeit gemacht hat (z.B. „Looking For Clues“). Ebenfalls erwähnenswert ist seine sehr schöne Version des Jimmy Cliff Klassikers „Many Rivers To Cross“, ein Lied, das wie für Joe geschaffen scheint. In den restlichen Stücken („Look What You’ve Done“, „Shocked“, „Sweet Little Woman“, Marie“, So Good, So Right“ und „Just Like Always“) zeigt sich Joe mal temperamentvoll, mal von seiner sanften Seite. Meines Erachtens gehört „Sheffield Steel“ zu Joes besten Alben überhaupt und bietet auch denjenigen, die ihn einmal kennenlernen möchten, einen guten Einstieg. |